


In dem beständigen Bestreben, Musik möglichst akkurat zu
beschreiben, haben sich die Medien schon so manches Sub-Genre erdacht, aber wie
viele Bands tummeln sich wohl in der „classical post-alternative ambient
nocturnal atmospheric neo-progressive folk world rock“-Schublade, in die ein
Journalist - offenkundig um Worte ringend - Gazpacho einst stecken wollte?
Konventionellere Versuche zielten darauf ab, den
charakteristischen Sound Gazpachos durch Vergleiche verständlich zu machen. Die
zu erkannt geglaubten Ähnlichkeiten reichten von Radiohead über Porcupine Tree bis Marillion – und manchmal
gar bis a-ha. Doch auch Vergleiche mit solchen Schwergewichten werden dem Kern
von Gazpachos Musik nicht gerecht.
Gegründet wurde die Band 1996 von den Sandkastenfreunden Jon-Arne Vilbo und Thomas Anderson mit Jan-Henrik Ohme (später gesellten sich noch Mikael Krømer, Lars Eric Asp und Kristian Torp dazu). Seither haben Gazpacho ihrem unverwechselbaren Stil über eine ganze Reihe von hochgelobten Alben und extensives Touren, inklusive zahlreicher Konzerte mit ihren Langzeit-Fans von Marillion, den letzten Feinschliff verpasst.
Sowohl die Alben und die Auftritte als auch das Internet
und Mund-zu-Mund-Propaganda haben dafür gesorgt, dass Gazpacho inzwischen über
eine so solide wie stattliche Anzahl an Fans auf dem gesamten Globus schauen
können.
Bislang veröffentlichte die Band alle ihre Platten in
Eigenregie oder über Marillions Racket Records-Label, doch nun hat sich das
britische Kscope-Label die Rechte gesichert, das u.a. für die
Veröffentlichungen von Steven Wilson und Anathema bekannt ist.
Letztes Jahr erschienen „Missa Atropos“ und „Live in London“ bereits auf Kscope. Letzteres wurde während Gazpachos vorangegangener Europa-Tour mitgeschnitten, deren Erfolg letztlich auch für das aktuelle Album „March of Ghosts“, das in diesem März erscheint, mitverantwortlich zeichnete, wie Jon-Arne erzählt: „Die letzte Tour war wirklich inspirierend für uns. Also sind wir einfach direkt im Anschluss wieder ins Studio gegangen, da wir dieses Gefühl irgendwie beibehalten wollten. Das führte letztlich dazu, dass der Großteil des Albums innerhalb eines Tages geschrieben wurde, an dem Mikael, Thomas und ich den ganzen Tag und die folgende Nacht durchgejammt haben. Rückblickend ging uns ‚March of Ghosts’ überraschend leicht von der Hand.“
Während man „Missa Atropos“ durchaus noch als Konzeptalbum ansehen kann, im Laufe dessen die Band eine Person begleitet, die alles hinter sich lässt, sieht Thomas in „March of Ghosts“ eher eine Ansammlung an Kurzgeschichten: „Die Idee war, dass wir die Hauptfigur durch eine Nacht schicken, in der ihr alle möglichen Arten von Geistern (tot oder lebendig) begegnen, die ihre jeweils eigene Geschichte zu erzählen haben.“
In dieser Geisterschar befinden sich u.a. haitianische
Kriegsverbrecher, die Besatzung der Mary Celeste, ein vom Ersten Weltkrieg
heimkommender US-Soldat, der sich den Gegebenheiten des Jahres 2012 gegenüber
sieht sowie ein englischer Komödienschreiber, der fälschlicherweise des Verrats
angeklagt wurde, und nun dazu verdammt ist, bis in alle Ewigkeit
Grammophon-Aufnahmen seiner eigenen Berichterstattungen im Feindesradio zu
lauschen.
Leadsänger Jan-Henrik erklärt es so: „Das sind
Kurzgeschichten. Der Marsch der Geister. Das sind Geschichten, die erzählt
werden müssen.“
Ab dem 12. März 2012 habt Ihr die Chance, diese Geschichten zu hören. Im März und April sogar live!