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Coolibri präsentiert:
Pigeon John
Anfang der 90er Jahre trafen sich allwöchentlich in einem kleinen Cafe in Los Angeles ein Haufen Rap Fanatiker, um unter den Augen und Ohren eines hyperkritischen Publikums die neuesten Reime und Techniken zu präsentieren. Wer den Ansprüchen nicht entsprach, wurde mit „please pass the mic“-Rufen von der Bühne gebuht und durfte maximal in der nächsten Woche wieder antreten. Es ging um Beats, Rhymes und Skillz, es ging um Hip Hop pur und das Ergebnis war, dass aus diesem Umfeld die bis heute technisch besten MCs der Welt hervor gegangen sind. Acey Alone und Freestyle Fellowship, the Pharcyde sowieso, CVE und man mag sich wundern, aber auch Death Row Veteranen Kurupt und Snoop Dogg unternahmen indiesem Umfeld ihre ersten Schritte. Das Good Life Cafe war Labor, Ausbildungsstätte undKaderschmiede in einem. Das Good Life Cafe war Legende.

Auch Pigeon John musste durch diese Schule und mehr als einmal wurde er wieder von derBühne gejagt. Doch der Junge aus Inglewood, Großraum Los Angeles, setzte sich durch undentwickelte seinen ganz eigenen Stil: Hintergründig, schlau und ironisch. An Bühnenpräsenzdürfte ihm so leicht keiner was vormachen und unzählige erfolgreiche USA-Tourneen,begeisterte Konzertbesucher in Kanada, Frankreich und Australien belegen, dass sich diezahlreichen Abende am Mikrofon ausgezahlt haben. PJ ist einer der besten Live Acts, die dasaktuelle Hip Hop Game zu bieten hat.

Die Diskografie des Rappers, der auch Folksänger sein könnte, liest sich wie einzusammengeraffter Lebenslauf vom suchenden Jugendlichen zum hedonistisch-ironischenMittzwanziger: „Pigeon John is Clueless“ (2002), „Pigeon John is Dating Your Sister“ (2003),“Pigeon John sings The Blues“ (2005) und „Pigeon John and the Summertime Pool Party“(2006). Doch Schwestern treffen und Poolpartys feiern ist ja nicht alles im Leben und bei allerEntspanntheit und durchaus guter Laune, müssen auch noch ein paar Dämonen getötet undDrachen bekämpft werden. „Dragon Slayer“ heißt denn auch das neue Album des Rappers ausLos Angeles, das in den USA bereits auf dem legendären Quannum-Label erschienen ist,Heimat von DJ Shadow, Lyrics Born und Blackalicious. Pigeon John ist bereit für dasExperiment der Selbst-Entblößung. „Dragon Slayer ist keine Abkehr von meinen bisherigenAlben, es läuft lediglich auf einer anderen Wellenlänge. Es ist ein wenig riskant. Aber mal imErnst: was habe ich zu verlieren?“

Wahrscheinlich nichts und doch steht so einiges für den Künstler auf dem Spiel. Das neueAlbum von Pigeon John ist selbstverständlich genauso intelligent und energetisch wie seinebisherigen Veröffentlichungen, mit dem feinen aber entscheidenden Unterschied, dass erdiesmal alles selbst produziert hat. Zusammen mit Herve Salters von General Elektriksverzichtete er bei Dragon Slayer vollkommen auf Samples, spielte und bearbeitete alleInstrumental-Passagen selbst und gab dem Album dadurch eine nie zuvor gehörte Nähe: „Es istein komplett neues Unterfangen“, sagt Pigeon John und erklärt: „Der Prozess ist größer alsalles, was ich bis dahin gemacht habe: Ich bin nicht nur der Autor meines Buches, ich bin auchmein eigener Lektor. Die Zusammenarbeit mit Herve Salters lässt meine Musik für mich in einemvöllig neuen Licht erscheinen. Ich liebe es.“

Pigeon John erzählt auf Dragon Slayer kleine Geschichten über all die Hürden undSchwierigkeiten, die den Alltag eines Endzwanzigers ausmachen und den die Quarter-Life-Crisiserwischt hat. Wo geht das alles hin? Was hat das für einen Zweck? Wozu sind wir da? PJerzählt Geschichten, wie in dem harmonischen Kopfnicker „Buttersoft Seats“, in dem erbeschreibt, wie ihm plötzlich die Erkenntnis kommt, dass es jetzt gerade wichtiger sein könnte,seinem Neffen neue Turnschuhe zu kaufen als die heißeste Braut des Blocks aufzureißen.In „So Gangster“, geht es darum, dass plötzlich alles gut ist und man sich selbst fragt, warumeigentlich? Warum fühlt man sich mit einem mal „so fantastic“, obwohl man doch eigentlich „sogangster“ ist? Liegt wahrscheinlich an den Bomben-Reimskills, daran, dass man sich selbst wieder junge „Sean Connery in Cano“ fühlt und die eigene Frau wunderhübsch ist. Für diese istdann offensichtlich auch das ebenfalls wunderschöne Liebes-Nicht-Liebeslied „Before We'reGone“ in dem Pigeon John beschreibt, wie er sechs Monate auf Tour ist, mit all den glitzerndenEindrücken eines Rockstarlebens, brandneuen Cadillacs mit getönten Scheiben und jederMenge Frauen in der ersten Reihe, „but it don’t mean a thing“! Schließlich ist SIE nicht dabei unddadurch ist alles fahl und ohne Geschmack. Dadurch ist das alles wertlos.

Eingerahmt von der Hitsingles „The Bomb“ und „Ben Vereen“ – zwei euphorischen Mitsing-Hymnen über die kleinen Beziehungs-Kämpfe nicht nur mit Frauen – findet „Dragon Slayer“immer die Schnittmenge mit dem Zuhörer. Ein Album wie ein guter Freund. AufmunterndesSchulterklopfen, gute Witze und originelle Sichtweisen inklusive. Wow! Cool!„The Bomb“ wird übrigens in einem neuen VW-Werbespot verwendet, der Gene Kellys undDonald O'Connors Sitz-Tanz aus „Singing In The Rain“ auf die Rückbank des VW Jettaverpflanzt. Pigeon Johns Songs waren bereits in den XBOX-Spielen „Project Gotham“ und „NBAInside Drive 2002“, in der Fernsehshow „Infomania“ und dem Kirsten Dunst-Film „Get Over It“zu hören. Er war der erste Rapper in Chuck Ds Indie 103 Radio-Show und der erste Künstler,der ein zweites Mal zu „Daily Habit“ auf Fuel TV eingeladen wurde. Gut gekleidet, charismatischund jung wie er ist, hat PJ auch schon Print- und Fernsehwerbung für Levis und Nestle Crunchgemacht. Nun gut. Leben muss man ja auch von was aber viel wichtiger sind nach wie vor dieunglaublichen Live-Shows, die der Mann aus Kalifornien seinen Fans und allen Musik-Liebhabern zu bieten hat. So spielte er auch beim letzten SXSW-Festival zwischen Acts wiePolyphonic Spree und Brandi Carlile und setzte mit seinem Auftritt eine Marke, die mehr als nurüberzeugte.

In seiner Freizeit macht der umtriebige Musiker dann noch ein bisschen Musik mit denUntergrund-Veteranen von L.A. Symphony und Brainwash Projects und ansonsten lebt er mitseiner Frau Harmony in Northridge einem nördlichen Vorort von Los Angeles im San FernandoValley. So let the good times roll.

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