The Civil Wars sind zwei wunderbare Musiker: Joy Williams und John Paul
White waren schon bekannte Singer/Songwriterinnen, als sie bei einer
Session im Jahr 2008 einander vorgestellt wurden. Die beiden beschlossen
schon kurz darauf, gemeinsam Musik zu machen, und gründeten The Civil
Wars, ein Projekt, das die musikalischen Vorzüge der beiden ganz
besonders gut zur Geltung bringt. Die Reduktion auf Gitarre und
Duettgesang, nur hin und wieder durch Keyboards ergänzt, schafft eine
intime Atmosphäre. Nicht nur auf ihrem Debütalbum „Barton Hollow“,
sondern vor allem live. Die beiden ergänzen sich auf ganz wunderbare
Art, nicht nur musikalisch, sondern auch was ihre witzigen und
originellen Ansagen angeht, die zwischen eingespielter Show und
schlagfertiger Improvisation changieren. Klar, dass die Lieder der
Platte im Vordergrund stehen. White spielt die diversen Gitarren und
singt, Williams singt ebenfalls auf eine Art, die irgendwo zwischen Folk
und Country unterwegs ist und sich gar nicht festlegen lässt. Das wirkt
sehr ruhig und sehr getragen, die Songs werden bis in tiefste Tiefen
ausgelotet. Die Musik kann aber in äußerst energetischen Ausbrüchen
enden. Die Spannung bleibt stets hoch, ebenso wie die Konzentration. Die
gar nicht mal heimlichen Höhepunkte der Show sind allerdings die
Coverversionen, mit denen das Duo in Gegenden vorstößt, die man dem
Singer/Songwriter-Folk zum Teil nicht zutraut. Sei es der alte Klassiker
„You Are My Sunshine“ in einer Moll-Variante, seien es genrefremde
Werke wie „Disarm“ von den Smashing Pumpkins oder das eher vom King of
Pop bekannte und absolut umwerfende „Billie Jean“. Wobei aus jeder Note
nicht nur die musikalische Eigenständigkeit von Williams und White
hervortönt, sondern auch die Bewunderung und der Respekt, die die beiden
für diese nachgespielte Musik hegen. Da liegen tiefe Ehrfurcht vor dem
Werk anderer, Humor und Gespür für die Auswahl und Überraschung über das
Gehörte ganz nah beieinander. The Cilvil Wars kommen im nächsten
Frühjahr nach Deutschland.